MANFRED KYBERS LEBEN UND WERK

Kyber 1923

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Übersetzer, Theaterkritiker, Dichter und Schriftsteller, war Manfred Kyber leidenschaftlicher Tierschützer und Vegetarier. Schon von Kindesbein an fühlte er eine innige Verbundenheit mit der Natur und den Tieren, die über ein rein verstandesmäßiges Interesse weit hinausging.

Aufgewachsen auf dem elterlichen Rittergut Paltemal in Lettland (seinerzeit Livland), hatte er schon frühzeitig engen Kontakt mit Haus- und Wildtieren in seiner großteils unberührten und ländlichen Kindes- und Jugendheimat. Diese emotionale Verbundenheit drückt sich in den meisten Werken Manfred Kybers aus. Neben den bekannten Tiergeschichten und Märchen, welche viel Humor, Hintersinnigkeit und geistigen Tiefgang in sich tragen, verfasste er auch kultur- und gesellschaftskritische Sachbücher, die jedoch weitaus weniger bekannt wurden.

Eines dieser Sachbücher, welches Manfred Kyber kurz vor seinem Tode verfasste, ist „Neues Menschentum – Betrachtungen in zwölfter Stunde“. In diesem Manifest für die Dringlichkeit einer grundlegenden Kulturwende, prangert er eine Vielzahl von Missständen in Bezug auf Wirtschaft, Politik und Verwaltung an. Sein größtes Anliegen war dabei der Tierschutz, die Abkehr von der Naturferne und die Notwendigkeit eines Bekenntnisses zur geistigen Welt. Bis zu seinem Lebensende wurde er nicht müde, vor den Gefahren und der Beschränktheit des gefühlskalten Materialismus und des blinden Glaubens an die Wissenschaften zu warnen, ohne diese jedoch ausschließlich zu verdammen. Kyber wusste, dass das Denken und die Wissenschaft niemals hinter die äußere Erscheinung der Dinge gelangen können. Ihr seelischer Kern ist jenseitigen Ursprungs und wird sich einer rein irdischen Betrachtungsweise immer entziehen.

Der Widerspruch zwischen seinen Überzeugungen und dem größtenteils auf Diesseitigkeit ausgerichteten Zeitgeist, veranlassten Manfred Kyber, sich Zeit seines Lebens als Fremder auf dieser Welt zu fühlen. Die materialistische Oberflächlichkeit, Gefühlsstumpfheit und Gottesferne sah er als Quelle und Ursprung aller der von ihm thematisierten Probleme an.

Kybers reifstes und tiefgründigstes Werk ist der Gralsroman "Die drei Lichter der kleinen Veronika", welcher 1929 veröffentlicht wurde. Dieser Roman fasst sämtliche geistige Erkenntnisse Kybers in der Geschichte der hellsichtigen kleinen Veronika zusammen. Über allem steht dabei der Erlösungsgedanke für alle Gottesgeschöpfe durch den Heiligen Gral. Schon lange zuvor erkennt Kyber darin seinen Lebensauftrag und die Notwendigkeit, den Erlösungsgedanken durch den Gral auf die gesamte Schöpfung auszuweiten. Bereits am 10. Dezember 1912 notiert Elisabeth Kyber-von Boltho Manfred Kybers folgende Erkenntnisse:

"Ich nehme meine Seele zum Pfand und nehme den Kelch vom Altar für die Tiere. Den Kelch für die Gesamtschöpfung verlangt hat noch kein Mensch. Es ist eine Idee, die nach Jahrtausenden gemessen werden kann.

Wenn ich heute abgerufen würde, wüsste ich, dass der Schwerpunkt meines Schaffens da wäre. Ich verlange den Kelch für einen Spatz. Ich bürge so dafür, dass, wenn es falsch wäre, teilte ich mit den Tieren dasselbe Schicksal. Ich würde ebenso gern sterben wie leben für die Idee des Kelches von Avalon.

Dass die Tiere mit dem Prinzip des Kelches erlöst sind, ist fraglos. Die Idee ist göttlich und stammt nicht von mir, sondern von einem höheren Wesen. Was ich als Werkzeug dazu mitbringe, ist die grenzenlose Liebe zur Natur. Die größte Liebespotenz zum Tier ist in mir am stärksten vertreten. Ich fühle, dass ich zum Bevollmächtigten der Tiere erwählt bin. Der Kelch ist das Bekenntnis meines ‘Ichs’. Was Artus sagt, ist mein Karma. Ich erkämpfe den Kelch für die Tiere, oder ich gehe unter, wenn es ein Sakrileg sein sollte. Aber wie kann diese Idee Sakrileg sein? Das Allerbarmen für die Gesamtschöpfung ist göttlichen Ursprungs. Bis 1913, fast zweitausend Jahre, wird der Kelch der Menschheit allein geschickt. Vom 1. Januar 1913 wird ein Stück des Grales weiter freigegeben. Diese Idee ist mir erst vor ein paar Tagen klar geworden. Wie die Menschheit eine Stufe weitergeht in dieser Zeit, so bin ich überzeugt, dass auch die Tiere eine Stufe höher gehen." (in: Anton Brieger: "In zwölfter Stunde")

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